Musizieren in der Tagespflege Lugau

Wir als „De heimattreuen Musikanten“ waren am Freitag, dem 14.Juni 2019 nun schon zum 3. Mal in der Tagespflege Lugau zu Gast, um den mittlerweile in die Jahre gekommenen Zuhörern mit unseren Gitarren Freude und gute Laune fürs bevorstehende Wochenende zu bringen.

Bereits unsere letzten beiden Besuche in der Tagespflege vor Weihnachten fanden ein solches Interesse, dass wir  unbedingt wiederkommen sollten. Bedingt durch umfangreiche Baumaßnahmen konnten wir aber erst jetzt wieder dort musizieren, natürlich auch in entsprechender Bekleidung, diesmal in Tracht, das bedeutet die Lederhosen rausholen und für die Damen: Rein ins Dirndl.

Tagespflege

Begonnen haben wir mit einem typisch erzgebirgischem Lied aus unseren mitgebrachten Heften: Drham is Drham – der Originaltext ist von Anton Günther. Weiter ging es mit „Unser Vater“, dem „Vaterunser“ in Liedform, über Stimmungslieder von der „Haselnuss“ bis zum „Vugelbeerbaam“. Da viele persönlich mit dem ehemaligen Steinkohlebergbau der Region verbunden sind, durfte der „Steigermarsch“ natürlich nicht fehlen. Wer konnte, stand auf und sang mit der rechten Hand am Herzen aus voller Kehle mit.

Das hat auch uns fasziniert und so haben wir noch ein altes, fast unbekanntes Lied zu Gehör gebracht:  „Vater, ich mag´s nimmer leiden“. Ein kleiner Junge, der doch endlich auch wie ein Bergmann gekleidet in den Schacht gehen möchte, obwohl es ihm sein Vater noch nicht erlaubt, weil sein älterer Bruder gerade erst dort umgekommen ist. Und doch berichtet der Kleine ganz stolz seinem Vater, dass er im letzten Jahr schon wieder einen Kopf größer geworden ist…

Nachfolgend das Lied, dass aus Datenschutzgründen nicht in der Tagespflege gefilmt werden konnte – dafür aber extra im Garten nochmals gesungen wurde, um die Stimmung von damals etwas nachempfinden zu können – hier allerdings nur zu zweit.

Damals waren die Bergleute stolz auf ihre Arbeit, junge Leute wollten unbedingt selbst mit anfassen und scheuten weder Dreck noch Gefahr, um damit der Familie zu helfen.

Heute belehren junge Leute nicht nur Bergleute, sie demonstrieren, ohne jemals einen Finger gekrümmt bzw. sich die Hände schmutzig gemacht zu haben – dabei lassen sie sich nur allzu leicht beeinflussen und merken das nicht einmal… Ganz anders die damalige Zeit, als auch dem toten Bruder auf dem Friedhof Ehre zuteilwurde. Durch diese Art von Liedern erinnerten sich viele an ihre Jugendzeit, die so viel anders – aber gerade deshalb so schön war.

Über bekannte Lieder aus der DDR-Zeit wurde der Bogen gespannt bis es nach anderthalb Stunden hieß: „S is Feierohmd“  –  Ja, wie die Zeit vergeht… Geschlossen wurde wieder mit einem andächtigem Lied: „Und wenn du morgen dann wieder allein bist“, das einige zu Tränen rührte.

Ganz besonders haben wir uns gefreut, dass wir als kleines Dankeschön 2 selbstgehäkelte Dinge, einen Schmetterling und ein Blümchen sowie Eierlikör und Kaffee geschenkt bekamen – so war das eben schon immer in Sachsen und besonders im Erzgebirge, auch wenn auf dem Kaffee jetzt „Dallmayr“ statt „Rondo“ steht, es gibt Dinge, die ändern sich nie…

Und klar kommen wir wieder in die Tagespflege, bis dahin haben wir ein paar weitere Lieder eingeübt…

Wer gern musiziert oder auch „nur“ zuhören will: Jeden Mittwoch ab 19.30Uhr erklingen Gitarrenklänge im Vereinsheim der „Heimattreue“ in Niederdorf. Nicht profimäßig perfekt, dafür aber mit dem Herz am rechten Fleck. Jeder ist herzlich eingeladen, auch bloß mal zum probieren.

 

2 Kommentare

  • Ullo

    Solche Aktionen sind gleich aus mehreren Gründen zu begrüßen. Zum einen macht man Menschen eine FREUDE, hier ja Leuten, die vielleicht krank sind, gebrechlich oder alt und deren Lebensradius nicht mehr so groß ist. Und auch das hat eben mit „national“ und „patriotisch“ zu tun: man läßt keinen alleine, auch die nicht, denen es nicht mehr so gut geht.
    Dann natürlich: zum Patriotismus und zur Heimatliebe gehört ja eben nicht nur die Politik, sondern auch die Kultur und das unglaublich reiche LIEDGUT, das wir in Deutschland haben. Ich finde es immer schade, wenn man sich in patriotischen Zirkeln bewegt – und keiner kann mehr singen…
    Und letztlich: es gibt in Deutschland kaum einen Berufsstand, der ein ähnlich reichhaltiges Liedgut hervorgebracht hat wie der BERGMANNSSTAND. Der Volksliedforscher Gerhard Heilfurth sprach von über 1000 Liedern aus dem Bergmannsstand. Aber in 9 von 10 Fällen wird dann nur das „Glückauf der Steiger kommt“ gesungen – sicher ein schönes Lied, aber mitunter hängt’s mir zum Hals raus. Dabei gibt es doch so viele andere schöne Bergmannslieder, die man sich auch erarbeiten sollte. Gut, daß Ihr so etwas macht!

    Dieses Lied, „Vater ich will’s nicht mehr leiden“ ist eher etwas moritatenhaft und kommt in der textlichen Qualität sicher nicht an „Glückauf, Ihr Bergleut jung und alt“, „Wenn schwarze Kittel scharenweis“ oder an die wunderbaren protestantischen Bergchoräle heran. Dennoch: weil Ihr das nicht so getragen singt, sondern vielmehr recht flott, wirkt das gar nicht erst sentimental. Und man sieht: ein schönes und singbares Lied!
    Schade, daß meine Frau und ich so weit weg wohnen, sonst würden wir bestimmt zu Euren Singeabenden kommen, aber dann Mitwoch Abend die 600 Kilometer hin und danach wieder 600 km zurück… :-)
    Glückauf aus dem (leider ehemaligen) Aachener Steinkohlenrevier!

    PS: Vielleicht sage ich Euch ja nichts Neues: aber die beste SAMMLUNG von Bergbauliedern gibt es bei Euch im Erzgebirge, gerade „um die Ecke“: nämlich in Freiberg. Die mittlerweile wohl 5 Hefte des „Vereins Sächsische Bergmannslieder e. V.“, der im Umfeld der „Historischen Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft“ besteht. Die Liederhefte sind wirklich, bergmännisch gesprochen, eine „wahre Fundgrube“ – und die kosten jeweils nur ein paar Euro. Die gibt es beim Kulturamtsleiter der Stadt Freiberg: Andreas Schwinger (Man findet ihn auf der Seite der Stadt Freiberg) oder beim Vorsitzenden Hermann Fleischer (Daten im Telefonbuch). Ich kann’s wirklich nur empfehlen, ich habe da Lieder entdeckt, die mir bis dahin völlig unbekannt waren..

     
    • Doreen

      Ich grüße Sie mit einem herzlichen Glück Auf!

      Wir haben uns sehr über Ihren positiven Kommentar und Ihrem Interesse an unserer Vereinsarbeit gefreut. Es ist immer wieder schön zu erfahren, wie die Musik Menschen verbindet und man in glückliche Gesichter schauen kann. Uns ist das schon Dank genug. Ihre Hinweise auf die Bergmannslieder werden wir nachgehen. Es ist uns wichtig, traditionelles und auch erzgebirgisches Liedgut zu bewahren. Vielleicht kommen Sie ja doch mal auf Besuch in unser wunderschönes Erzgebirge? Gerade um die Weihnachtszeit ist es nirgendswo schöner als hier. Nicht umsonst wird das Erzgebirge „das Weihnachtsland“ genannt. Ende November findet unser traditioneller Hutznabend im Vereinsheim statt. Mit traditionellen Gerichten und natürlich Liedern in Mundart. Für mich persönlich der Höhepunkt des Jahres in unserem Vereinsleben.

      Ich wünsche Ihnen alles Gute und schließe mit einem Gedicht von Anton Günther

      Schütz dei Haamit!

      De Haamit blebbt onner Heiligtum,
      drüm loßt ons de Haamit schützen,
      jeder, aah der ärmste Mensch,
      ka seiner Haamit nützen.

      Wos racht is on ve de Alten stammt,
      wos gut is, muß mer erhalten,
      es Neie muß mer gut on racht,
      deß zer Haamit paßt, gestalten.

      De Haamit is onner Kinnerzeit,
      de Eltern, der ganze Stamm,
      de Mottersproch, Glaubn, Lieb on Trei
      on alles Gute wos mir hobn.

      De Haamit is dos Flackel Erd,
      wu du bist als Kind gespronge
      mit deine Gespieln über Stock on Staa,
      wu du gespielt host on gesonge.

      On alles gehärt zer Haamit derzu,
      Berg, Tol on Wald on Wiesen,
      jed’s Vögele, Blümel, Busch on Strauch,
      alle Wasserle, die do fließen.

      Ven Kirchel der Sonntigsglockenklang,
      Weihnachten, alle heiling Zeiten,
      zen Gutsacker naus der letzte Gang,
      Sorg, Nut, Gelück on Freiden.

      Deine alten Nachbern, Fremd on aah
      deine ärmsten Schwastern on Brüder,
      deitsche Art, gute Sitt on alter Brauch
      on aah die trauten Lieder.

      Net ze guter Letzt du salber doch
      geharscht zer Haamit in Laad on Freiden,
      dei Waag is verfahlt, wenn du dei Haamit vergißt,
      in gute oder biese Zeiten.

      Drüm is aah onner heiligste Pflicht,
      wolln mir der Haamit nützen,
      nort muß mer alles, wos gut is on racht,
      erhalten on beschützen.

      Schützt du dei Haamit, nort schützt du dich aah
      zen Trutz gegn alle Gewalten,
      su wie du ehrst deiner Väter Brauch,
      su werd sich dei Zukunft gestalten!

       

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